Versicherung Obliegenheiten in der Versicherung: Das solltest Du wissen
So, Du hast eine Versicherung abgeschlossen, alle Daten eingegeben und denkst, damit sei jetzt alles erledigt und in sicheren Händen? Ganz so einfach ist es nicht! Du hast nämlich bestimmte Rechte und Pflichten, sogenannte Obliegenheiten, und die begleiten Dich vom Vertragsabschluss über die Laufzeit Deines Vertrags bis nach dem Schadenfall. Hier erfährst Du, was diese Obliegenheiten sind, worauf Du achten musst und welche Folgen Verstöße haben können.
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Nehmen wir mal an, Du bist jung und startest gerade ins selbstständige Leben: Die erste eigene Wohnung ist bezogen, alle Möbel stehen an ihrem Platz und die wichtigsten Versicherungen sind abgeschlossen. Damit ist erstmal alles Wichtige abgesichert, oder?
Grundsätzlich schon. Trotzdem endet Deine Rolle und Verantwortung als Versicherungsnehmer nicht mit dem Abschluss des Versicherungsvertrags! In Versicherungen hast Du nämlich sowohl Rechte als auch Pflichten. Genau diese sogenannten Obliegenheiten spielen eine wichtige Rolle für Deinen Versicherungsschutz.
Aber was sind Obliegenheiten überhaupt? Welche Arten gibt es? Und was passiert, wenn eine Obliegenheitsverletzung vorliegt? In diesem Ratgeber erfährst Du, welche Regeln Du kennen solltest und wie Du typische Fehler vermeiden kannst.
1. Was sind Obliegenheiten überhaupt?
Obliegenheiten sind bestimmte Verhaltensregeln, die Du gegenüber Deinem Versicherer einhalten solltest. Anders als klassische Rechtspflichten oder Gesetze können sie zwar nicht direkt erzwungen werden, Verstöße können aber große Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben.
Obliegenheiten sollen v.a. dazu beitragen, Risiken korrekt einzuschätzen, (weitere) Schäden zu vermeiden und Versicherungsfälle ordentlich zu bearbeiten.
Ein paar Beispiele für Obliegenheiten sind:
- wahrheitsgemäße Angaben beim Vertragsabschluss
- unverzügliche Schadenmeldung, wenn was passiert ist, und Schadenbegrenzung wo möglich
- Unterstützung bei der Schadenbearbeitung und -aufklärung
2. Welche Arten von Obliegenheiten gibt es?
Obliegenheiten lassen sich grob in drei Bereiche aufteilen. Je nachdem, wann sie gelten, unterscheiden Versicherer zwischen Obliegenheiten vor Vertragsschluss, während der Versicherungslaufzeit und im Schadensfall.
2.1 Obliegenheiten vor Vertragsschluss
Das erscheint nicht wirklich intuitiv, aber schon vor dem Abschluss des Versicherungsvertrags gibt es Obliegenheiten, wenn Du Dich für eine Versicherung interessierst.
Hier geht es vor allem um die sogenannte Anzeigepflicht: Wenn Du eine Versicherung abschließen möchtest, musst Du alle Fragen des Versicherers vollständig und wahrheitsgemäß beantworten, z.B.:
- Vorschäden angeben
- Vorversicherungen nennen
- Gesundheitsfragen korrekt beantworten
- Korrekte Angaben zum Versicherungsobjekt machen
Achtung: Wer hier bewusst falsche oder unvollständige Angaben macht, riskiert später erhebliche Konsequenzen!
Verschweigst Du z.B. einen bekannten Vorschaden bei der Hausratversicherung und kommt dieser Umstand später ans Licht, kann das Auswirkungen auf den Vertrag und den Versicherungsschutz haben. Schlimmstenfalls werden Leistungen gekürzt oder Du verlierst den gesamten Versicherungsschutz.
2.2 Obliegenheiten während der Laufzeit
Auch nach Vertragsabschluss können verschiedene Obliegenheiten gelten. Welche das konkret sind, hängt von der jeweiligen Versicherung ab. Typische Obliegenheiten sind:
- Pünktliche Zahlung Deiner Beiträge
- Funktionsfähige Rauchmelder in der Wohnung
- Meldung bestimmter Risikoänderungen (Beispiel: Das Risiko für einen Einbruch in Deine Wohnung steigt, weil die Außenfassade saniert wird und ein Gerüst aufgebaut wurde, mit dessen Hilfe Einbrecher über die Fenster in die Wohnung steigen könnten. Und das sollte auch Dein Versicherer wissen – kein Witz!)
- Aktualisierung relevanter Vertragsdaten
In der Wohngebäudeversicherung kann beispielsweise vorgesehen sein, dass ein längerer Leerstand gemeldet werden muss. Bei einer Kfz-Versicherung können Änderungen am Nutzungsverhalten oder den Fahrern relevant sein.
Die genauen Vorgaben findest Du in den Versicherungsbedingungen Deines Vertrags.
2.3 Obliegenheiten im Schadenfall
Wenn ein Schaden eingetreten ist, werden Obliegenheiten besonders augenfällig und wichtig. Dann erwarten Versicherer nämlich, dass Du aktiv zur Aufklärung und Regulierung des Schadens beiträgst.
Dazu gehören häufig:
- Den Schaden möglichst schnell melden
- Schadenminderung betreiben
- wahrheitsgemäße Angaben machen
- Schäden dokumentieren und Nachweise bereitstellen (z.B. Fotos, Rechnungen)
- Rückfragen beantworten
Neben der Pflicht, den Schaden unverzüglich zu melden und möglichst vollständige Informationen und Nachweise zu liefern (übrigens: Vieles kannst Du auch im Nachgang nachreichen – die wenigsten haben gleich alle nötigen Dokumente parat, wenn gerade die Katastrophe eingetreten ist), musst Du Dich auch darum kümmern, dass weitere Schäden verhindert werden bzw. das Ausmaß begrenzt wird.
Nach einem Leitungswasserschaden z.B. solltest Du nicht einfach mehrere Tage oder gar Wochen abwarten, sondern Dich schnell daran machen, die Ursache zu finden und die Wasserzufuhr abzudrehen. Ist ein Fenster bei einem Unwetter kaputtgegangen und hat es reingeregnet, versuche, das Fenster abzudichten und Möbel etc. in Sicherheit zu bringen, damit nicht noch mehr Schaden entsteht.
Gleichzeitig gibt es auch eine sogenannte Schadensicherungspflicht: Diese besagt, dass Du die Schadenstelle möglichst unverändert lässt, wenn möglich und wenn dadurch kein weiterer Schaden entsteht. Das heißt z.B., beschädigte Gegenstände nicht direkt zu entsorgen, sondern bis zur Prüfung durch den Versicherer aufzuheben!
Achte im Schadenfall einfach darauf, dass Du Folgeschäden verhinderst, aber Deiner Versicherung auch die Möglichkeit lässt, das Ausmaß des Schadens korrekt einzuschätzen.
Und zu guter Letzt: Hast Du einer anderen Person geschadet und möchte diese jetzt eine Wiedergutmachung von Dir, mach ihr gegenüber keine Versprechungen und gehe erst recht nicht in Vorkasse, bevor Deine Versicherung den Fall geprüft und bestätigt hat!
Tipp: Mehr zum Thema Schadenmeldung findest Du hier: Schaden melden: Wie gehst Du dabei richtig vor?
3. Was fällt unter den Begriff Obliegenheitsverletzung in der Versicherung?
Von einer Obliegenheitsverletzung in der Versicherung spricht man, wenn Du Dich nicht um Deine vereinbarten Pflichten gekümmert hast.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Versicherer jede Leistung verweigern darf; entscheidend sind immer die Umstände des Einzelfalls.
Grundsätzlich wird zwischen verschiedenen Formen der Verletzung unterschieden.
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Eine fahrlässige Obliegenheitsverletzung liegt vor, wenn Dir ein Fehler oder Missgeschick passiert, ohne dass Du bewusst gegen Regeln verstoßen wolltest oder die Folgen billigend in Kauf genommen hast. Hier bleibt Deine eigene Schuld am Geschehen klein und damit meist auch die Konsequenzen für die Versicherung. Dein Versicherer hat in diesem Fall aber das Recht, Deinen Vertrag innerhalb eines Monats zu kündigen.
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Von grober Fahrlässigkeit spricht man, wenn die erforderliche Sorgfalt in besonders hohem Maß verletzt wird und es dadurch zu einem Schaden kommt. Hier kann die Versicherung in manchen Fällen Leistungen kürzen oder sogar verweigern.
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Eine vorsätzliche Verletzung liegt vor, wenn Regeln bewusst missachtet werden. Hier kann die Versicherung ihre Leistungen nicht nur verweigern, sondern z.B. auch den Vertrag anfechten, wenn Du absichtlich falsche Angaben im Vertrag gemacht hast, oder bereits gezahlte Leistungen zurückverlangen. Das zählt nämlich als arglistige Täuschung!
4. Wann handelt es sich um eine arglistige Obliegenheitsverletzung?
Arglist bedeutet bei Obliegenheitsverletzungen, dass eine Person den Versicherer gezielt täuschen möchte, um einen Vorteil zu erlangen oder relevante Tatsachen zu verschleiern.
Typische Beispiele:
- erfundene Schadenursachen oder Details
- manipulierte Rechnungen
- bewusst falsche Angaben zur Schadenhöhe
- Verschweigen entscheidender Informationen
Der Unterschied zwischen Vorsatz und Arglist liegt häufig in der Täuschungsabsicht.
Nicht jede vorsätzliche Obliegenheitsverletzung ist automatisch arglistig. Liegt jedoch eine gezielte Irreführung des Versicherungsgebers vor, sprechen Juristen regelmäßig von Arglist.
Für Versicherungsnehmer kann das erhebliche Konsequenzen haben. Dein Versicherer kann dann die Zahlung ablehnen, bereits gezahlte Leistungen zurückverlangen, Deinen Vertrag kündigen oder schlimmstenfalls rechtliche Konsequenzen ziehen!
5. Obliegenheiten erkennen und einhalten: Darauf solltest Du achten
Viele Streitigkeiten entstehen nicht aufgrund böser Absicht, sondern wegen Unwissenheit oder Missverständnissen. Das stimmt auch im Bezug auf Versicherungen. Tu Dein Bestes, sei ehrlich und achte auf die folgenden Tipps – so bist Du auf der sicheren Seite, was Obliegenheiten in der Versicherung angeht:
- Versicherungsbedingungen lesen: Nicht unbedingt die spannendste Abendlektüre. Trotzdem stehen dort die wichtigsten Obliegenheiten für Deinen Vertrag.
- Angaben sorgfältig machen: Beim Vertragsabschluss solltest Du Fragen immer vollständig und korrekt beantworten.
- Unterlagen aufbewahren: Rechnungen, Fotos und Nachweise können im Leistungsfall sehr hilfreich sein.
- Änderungen melden: Ändern sich wichtige Umstände, solltest Du prüfen, ob Dein Versicherer informiert werden muss.
- Schäden zeitnah melden: Je früher ein Schaden gemeldet wird, desto einfacher läuft die Bearbeitung häufig ab.
- Unsicher bei einer Angabe? Dann lieber nachfragen als raten.
6. Nicht vergessen: Du hast auch Rechte in der Versicherung!
Bei allen Obliegenheiten solltest Du eines nicht vergessen: Du hast auch Rechte.
Ein Versicherer darf sich nicht automatisch auf Leistungsfreiheit berufen, sobald Dir irgendein Fehler passiert ist.
Wichtige Grundsätze sind: Jeder Einzelfall muss geprüft werden, nicht jede Obliegenheitsverletzung führt zur Leistungsfreiheit, der Zusammenhang zwischen Verstoß und Schaden kann wichtig sein und gegen Entscheidungen des Versicherers kannst Du Einwände machen.
Erhebt ein Versicherer den Vorwurf einer Obliegenheitsverletzung, solltest Du die Situation daher sorgfältig prüfen und sachlich auf Rückfragen reagieren. Gerade bei komplexen Schäden lohnt es sich, alle Unterlagen vollständig zusammenzustellen und den eigenen Standpunkt nachvollziehbar zu dokumentieren.
Adam Riese Tipp
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Pia ist Texterin im Ratgeber-Team und kümmert sich auch um Webseiteninhalte, Versicherungsdokumente und Nachhaltigkeitsthemen.